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Endzeitromantiker – Tod und Vergänglichkeit

Das Faible für Tod und Vergänglichkeit ist bei einem Endzeitromantiker sehr viel stärker ausgeprägt als im großen Rest der Gothik-Bewegung. Eine breitere Akzeptanz innerhalb der Szene erreichte die Endzeitromantik ab Anfang der 90er Jahre. Diese Subkultur entwickelte sich langsam aus dem Gothic. Typische Erkennungsmerkmale wie ausrasierte und toupierte Haare. Die Endzeitromantiker legen aber anders als die Masse der Fans, sehr großen Wert auf ein sehr sorgfältig und mit Liebe zum Detail gefertigtes Outfit. Samt, Brokat, Seide und Chiffon sind die bevorzugten Materialien. Als Accessoires werden oft Kruzifixe, Diademe, Broschen, samtene Halsbänder und reich verzierte Fächer sowie Handschuhe gewählt. Auch die Schminke fällt für einen Enzeitromantiker aufwändiger aus: Das weiß geschminkte Gesicht wird oft von filigranen Ornamenten verziert.

Diese Strömung dürfte wohl auch dem Zeitgeist der Mainstreamkultur geschuldet sein. Die Themen Weltungergang, Armageddon, Endzeit wurden angesichts der bevor stehenden Jahrtausendwende auch vom Mainstream aufgegriffen. Diese Tendenzen haben zweifellos auch Eingang in die Gothic-Szene gefunden.

Die Vorlieben der Endzeitromantiker

Auch in den sonstigen Vorlieben gelten die Endzeitromantiker als extremer als die Grufti-Szene der 80er. So gilt eine große Vorliebe für Philosophie, Literatur, Malerei, Friedhöfe und alte Bauten als kennzeichnend. Musikalisch grenzt sich diese Subkultur ebenfalls stärker ab als andere Unterströmungen. Musik aus den Bereichen Neoklassik und Neue Deutsche Todeskunst wird hier am liebsten gehört.

Die Neoklassik schöpft ihre Einflüsse aus verschiedensten Epochen, bis hin zu mittelalterlicher Musik. wesentliche Einflüsse stammen auch aus Renaissance und Barock. Neoklassik-Bands wie In the Nursey, Schattenkinder oder Die Verbannten Kinder Evas greifen diese Einflüsse auf. Allerdings interprätieren sie keine alten Werke neu, sondern komponieren eigene Songs mit diesen stilistischen Vorgaben. Ein absolutes Markenzeichen der Neoklassik: Die Musik wird oft von opernhaftem, weiblichem Gesang begleitet. Die Ursprünge reichen zurück bis Anfang der 80er, als Bands aus dem Punk-Umfeld begannen, ihre Songs mit klassischen Arrangements zu untermalen. Als erstes komplett in diesem Stil gehaltenes Album gilt “Stormhorse” aus dem Jahr 1984. In den 90ern wurde dieses Konzept mit Synthesizern fortgeführt.

Die Musik der Endzeitromantiker

Eine musikalische Besonderheit aus dem Bereich der Enzeitromanitik ist die Neue Deutsche Todeskunst, die allerdings nur eine kurze Hochphase erlebte. Gruppen aus dem süddeutschen Raum setzten sich musikalisch mit den Themen Tod, Vergänglichkeit, Ängste, Isolation, Wahnsinn, Nihilismus und ähnlichen auseinander. Als typische Vertreter gelten “Das Ich”, “Goethes Erben” oder “Lacrimosa”. Obwohl es schon vorher deutschsprachige Bands aus dem Gothic-Umfeld gab, wird der Neuen Deutschen Todeskunst maßgeblicher Einflussung auf die “Eindeutschung” des Gothic zugeschrieben. Markantes Kennzeichen ist der relativ einfach erscheinende Sprechgesang zu den teilweise sehr komplizierten Musikarrangements sowie sehr aufwändige Bühnenshows. Die Hochphase dieser musikalischen Stilrichtung dauerte von Ende der 80er bis Mitte der 90er Jahre, als die Hauptvertreter stilistisch neue Wege gingen.